Dem ersten Polizeipräsidenten von Berlin, Karl Justus von Gruner (1809-1811) folgen neun weitere bis am 18.11.1848 Karl v. Hinckeldey vom König Friedrich Wilhelm IV. berufen wird. Er bekommt den Auftrag, nach der Revolution und den Unruhen wieder für »Ruhe und Ordnung« in Berlin zu sorgen.
Und v. Hinckeldey greift durch: Er überzeugt den König, die temporäre (für die Dauer der Revolution) gegründete Schutzmannschaft in eine dauerhafte Schutzpolizei umzuwandeln, deren 1800 Angehörige bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen, z.B. unter 40 Jahre alt, körperlich fit sein und im Militär gedient haben.
Vor der Revolution konnte der jeweilige Polizeipräsident nur auf 60 Wachtmeister zurückgreifen, die im Revierbüro anzutreffen waren. Bei Not wurde die ländliche Gendarmerie hinzugerufen, die aber dem Kriegsministerium unterstand.
Nun patrouillieren die schlicht in blau-grauer Uniform gekleideten Schutzmänner durch die Straßen und greifen bei jeglichen Vergehen gleich und meist hart durch. Nach der spektakulären Flucht von Gottfried Kinkel (davon erzähle ich in der historischen Kriminalpost vom November2024 [hier anmelden]) wird auch die Polizei neu strukturiert und personell aufgestockt. Denn es geht um die Beobachtung und Zurückdrängung der demokratischen Kräfte. So lässt v. Hinckeldey insbesondere die Kreuzzeitung kontrollieren, was sich schnell zu einer persönlichen Gegnerschaft entwickelt, kontrolliert die Theaterstücke und baut ein immenses Netz aus Spitzeln und Denunzianten auf.
Aber v. Hinckeldey setzt sich auch für die Stadt ein, schafft z.B. die erste Berufsfeuerwehr und ordnet ihr die Stadtsprengung zu. Denn insbesondere in den Sommermonaten ist Berlin eine heiße und stinkende Stadt, und von den außerhalb liegenden, gerodeten Flächen weht der Sand durch die Straßen. Um etwas Erleichterung zu schaffen, wässern (sprengen) die Löschkutschen in den frühen Morgenstunden die Alleen, Boulevards und Straßen.
Dank v. Hinckeldey wird eine Kanalisation gebaut und der Unrat der Straßen aus den offenen Rinnsteinen unter die Erde verbannt. Für das erste Wasserwerk verhandelt er 1852 die Konditionen mit der englischen Berlin Waterworks Company, um
»die Stadt Berlin mit fließendem Wasser zu versehen, so dass für die Reinlichkeit in den Straßen gesorgt, den Haushalten ein brauchbares Wasser zugeführt, auf verschiedenen Plätzen der Stadt fließende Brunnen errichtet, das zum Löschen nöthige Wasser bei einem Brande in Wasserständern bereit gehalten und der Gesundheitszustand und die Behaglichkeit der Einwohner gefördert werde«
[aus dem Order von Friedrich Wilhelm IV. zum Abschluss des Vertrages, 1852]
Das Wasserwerk vor dem Stralauer Tor pumpt mit Hilfe von Dampfmaschinen ab 1856 das Wasser der Spree durch verschiedene sandgefüllte Filterbehälter (wichtig im Kampf gegen die Cholera) in ein Reservoir und verteilt es durch ein ausgeklügeltes Rohrleitungssystem in der Stadt.
Den vielen guten Einrichtungen, unter anderem z.B. Volksbade- und Waschanstalten, Volksküchen und Gesindeherbergen, stehen die massiven Verfolgungen gegen die demokratischen Kreise entgegen. So gibt es mit v. Hinckeldey’s Wissen und seiner Billigung, wenn nicht sogar auf seinen Befehl hin, teils ungerechtfertigte Verhaftungen, Hausdurchsuchungen, gewaltsame Verhöre und mehr. Er legt sich aber auch mit dem Militär und dem Adel an, was ihm letztendlich das Leben kostete. Doch dazu später mehr.
