Die letzten Tage der Revolution 1848/49
Im Großherzogtum Baden kommt am 26. Februar 1848 die Nachricht vom Sturz des Königs in Paris an und entfacht den Brand der Revolution in den deutschen Staaten. Nachdem der preußische König Friedrich Wilhelm IV. im April 1849 die Kaiserkrone ablehnt, das Nationalparlament nach Stuttgart flieht und sich dann auflöst, und kleinere Aufstände wie in Dresden niedergeschlagen werden, ist die Revolte der badischen Soldaten in Rastatt am 12. Mai 1849, und auch in anderen badischen Garnisonen, der Beginn des letzten revolutionären Aufbäumens.
Baden, Mai 1849
In Freiburg schwören Soldaten, nicht auf das Volk zu schießen, wenn es zum Aufstand kommt. Auch in den Garnisonen in Bruchsal, Lörrach, Karlsruhe und weiteren Städten meutern die Soldaten. Doch erst der Übergang der Soldaten und einiger Offiziere der Bundesfestung Rastatt am 12. Mai 1849 auf die Seite der Volksvereine und der demokratischen Idee verspricht Hoffnung für die Revolution.
Der Landesausschuss der badischen Volksvereine organisiert in Offenburg eine Volksversammlung, in der öffentlich Forderungen an die Regierung und den Großherzog in Karlsruhe gestellt werden.
Zu den Märzforderungen des letzten Jahres (u.a. Volksbewaffnung, Geschworenengerichte und Autonomie in der Gemeindeverwaltung) kommen nun auch die Forderungen nach der Auflösung der beiden badischen Kammern, Rücktritt der aktuellen Regierung, einer verfassungsgebenden Versammlung und Amnesie für politische Vergehen. Über 30.000 Menschen jubeln den Vortragenden unter der Leitung von Amand Goegg zu.
Ein Bote, der mit den Forderungen nach Karlsruhe geschickt wird, kehrt jedoch unverrichteter Dinge zurück: Regierung und Großherzog sind nicht gewillt, den Forderungen nachzugeben. Da kommt die Nachricht aus Rastatt gerade recht. Mit dem Militär auf Seiten der Revolutionäre haben sich die Machtverhältnisse verschoben.
Karlsruhe
Am 13. Mai meutert auch das Leibregiment des Großherzogs Leopold in Karlsruhe. Der Großherzog flieht in die Bundesfestung Germersheim und ruft die preußischen Truppen zur Hilfe. Auch die Minister verlassen Karlsruhe und so tritt der Landesausschuss der Volksvereine als provisorische Regierung zusammen. Die Beamten und das Militär verpflichten sich, der Regierung zu dienen. Die Forderungen, die in Offenburg formuliert wurden, werden umgesetzt. Insbesondere werden am 3. Juni die ersten demokratischen badischen Wahlen durchgeführt, bei denen immerhin alle Männer über 21 Jahre ein Wahlrecht haben.
Der liberal-demokratische Politiker Lorenz Brentano eröffnet am 10. Juni als Präsident der gewählten Regierung die verfassungsgebende Versammlung in Karlsruhe. Doch die Regierung hat es nicht leicht, es fehlt an Geld, anscheinend sind die Kassen der vorherigen großherzoglichen Regierung leer. Und das Land befindet sich im Kriegszustand, denn Prinz Wilhelm von Preußen, der »Kartätschenprinz«, Bruder des preußischen Königs (und ab 1871 erster Kaiser Deutschlands) marschiert über die Pfalz nach Nordbaden ein.
Der badische Feldzug
Einem Heer aus 60.000 ausgebildeten preußischen Soldaten stehen 30.000 kampfeswillige Männer entgegen. Aber nur die Hälfte davon sind Soldaten, hinzu kommen Volkswehren und Freischärler, die sich aus aller Herren Länder aufgemacht haben, um in Baden für die Revolution, die Demokratie und ein einiges Deutschland mit einer Reichsverfassung zu kämpfen. Unter ihnen auch bekannte Namen wie Friedrich Engels und Gottfried Kinkel, beides eher Kämpfer des Wortes.
Nach einigen kleineren Scharmützeln stehen sich die beiden Heere am 21. Juni bei Waghäusel, 30km Luftlinie vor Karlsruhe, gegenüber.
Das Gefecht entwickelt sich gut für die badischen Truppen, sie können das preußische Heer in Teilen in die Flucht jagen. Doch dann befiehlt ein Teil der badischen Heeresführung den Rückzug und gibt die fast gewonnene Schlacht verloren. In einer heillosen Flucht zieht sich das badische Heer mit seinen zahlreichen Verletzten zurück bis an die Murg. Und Prinz Wilhelm von Preußen steht nach drei Tagen wilder Jagd durch das Land mit den preußischen Truppen vor Karlsruhe. Er nimmt die Stadt ohne Widerstand ein.
Einige Bilder von den Gefechten kannst Du im Landesarchiv Baden-Württemberg sehen:
Die Belagerung Rastatts
Die badischen Truppen, nunmehr nur noch 20.000 Mann stark, teilen sich auf, um eine gute Stellung bei der Murg zu halten. Doch bei den kommenden kleineren Gefechten können sie diese nicht halten. Über 10.000 Mann ziehen sich in den Süden zurück und erreichen die Schweizer Grenze. Andere desertieren einzeln oder suchen Schutz in der Festung Rastatt.
Doch ab dem 30. Juni wird Rastatt belagert. Die Stadt ist überfüllt, die Stimmung gereizt. Man versucht, die Moral hochzuhalten, veranstaltet Schauspiele und gibt mit dem Festungsboten eine eigene Zeitung heraus. Die Hoffnung liegt auf dem badischen Heer, das sich aber Richtung Schweiz abgesetzt hat.
Über drei Wochen halten Soldaten, Freischärler und Bürger aus. Doch als der preußische Generalleutnant von der Groben mit der Bombardierung der Stadt droht, ergibt sich die revolutionäre Regierung, um die Bürger zu schützen.
Am 23. Juli marschieren die Preußen in Rastatt ein und nehmen alle Aufständischen fest, derer sie habhaft werden. Wie Carl Schurz in seinen Memoiren schildert, kann er gerade noch durch einen Abwasserkanal aus der Festung fliehen. Sonst wäre er wohl wie 19 andere Revolutionäre in den kommenden Wochen verurteilt und erschossen worden.

