Ende Oktober toben die Kämpfe in Wien.
Und in allen Regionen Europas beobachten die liberalen und demokratischen Kräfte den Verlauf genauso wie die Monarchen. Mit der Einnahme der Barrikaden und der Bombadierung Wiens endet der Aufstand in Wien.
Auch in Berlin greift König Friedrich Wilhelm IV. nun durch. Denn neben der Nationalversammlung in Frankfurt, die eine Verfassung für Deutschland (das es zu der Zeit in dem Sinne noch nicht gibt) diskutiert, benötigt auch Preußen endlich eine Verfassung, die in der preußischen Nationalversammlung entwickelt wird. Die Diskussionen dort sind hitzig, oft geht es um die Anerkennung der Leistungen der Barrikadenkämpfer in Berlin und ganz aktuell auch in Wien. Die Abgeordneten werden bedrängt von der Menge, die eine Abkehr von der Monarchie und die Entmachtung des Militärs fordert.
Die Unruhen nimmt König Friedrich Wilhelm IV. zum Anlass, die »zur Vereinbarung der Verfassung berufenen Versammlung« am 08.11. in die Stadt Brandenburg zu verbannen. Sie soll sich dort Ende des Monats wieder bilden.
Den Erlass des Königs erklärt die Nationalversammlung am nächsten Tag schlicht für ungesetzlich. Doch sie müssen aus der Singakademie, dem bisherigen Tagungsort ausziehen. Sie versammeln sich im Schauspielhaus auf dem Gendarmenplatz. Allerdings weigert sich die Berliner Bürgerwehr, für die Sicherheit der Versammlung zu sorgen. Somit bleibt dem Parlament nur noch der Aufruf zum passiven Widerstand und zum Boykott der Steuerzahlungen.
Am 11.11. marschiert General Wrangel mit 40.000 Soldaten in die Stadt Berlin ein, um die unfähige (und aus Sicht des Königs auch unzuverlässige) Bürgerwehr abzulösen.
Fast 8 Monate nach den »Soldaten raus« Rufen vom 18. März begrüßt jetzt eine Mehrzahl der meist liberal eingestellten Bürger die Rückkehr des Militärs. Als erste Amtshandlung räumen die Soldaten den Saal der tagenden Nationalversammlung. Ein Rumpfparlament wird sich in Brandenburg Ende des Monats versammeln, aber insbesondere die demokratischen Linken machen die Farce nicht weiter mit und bleiben der Versammlung fern.
Der nächste Schritt des Königs scheint recht logisch: per Dekret löst er die Bürgerwehr, eine der Errungenschaften der Märzkämpfer und der Revolution auf. Die Sicherheit der Stadt liegt wieder in den Händen des Militärs. Manch liberaler Bürger ist insgeheim erleichtert, die Unruhen der Arbeiter und Handwerker nahmen doch überhand und manche Rechte hat der König schon zugestanden.
Es wurde genug Revolution gemacht.
Um die Konterrevolution abzuschließen, verhängt der König am 12.11. den Belagerungszustand über Berlin. Damit sind alle Belange unter die Militärgerichtsbarkeit gestellt. Viele durch die Revolution erlangten Grundrechte werden wieder zurückgenommen.
Zwei Tage später verhängt General Wrangel sogar das Kriegsrecht.
Die Revolution ist geschlagen.
